Traum welcher Traum?

 

Traum - Welcher Traum? / Dream - Which Dream?

Bilder und Texte zum unheimlichen Aufstieg von Oligarchien und Postdemokratie in einer neoliberal gelenkten Weltwirtschaft

Ein crossmediales Ausstellungsprojekt der Browse Gallery, 9.- 31.10. 2015, Marheineke Markthalle, Berlin Kreuzberg

Deutschland und der "Traum vom europäischen Projekt" sind in der Krise, weil hundertausende Flüchtlinge "plötzlich" vor unserer Tür stehen? Weltweit sind 60 Millionen Menschen auf der Flucht - anderswo. Ist ihr Leben nur ein Traum? Fluchtursachen sind und werden in Zukunft zunehmend nicht nur Kriege und Verfolgung durch verbrecherische Regime wie die Assad-Regierung in Syrien, die Dikatatur in Eritrea, oder das mörderische Treiben von islamistischen Terrorgruppen von ISIS bis Boko Haram sein. Klimakatastrophen, Hunger, Krankeit, Arbeislosigkeit und eine chancenlose Zukunft der Kinder sind der Alptraum, dem immer mehr Menschen durch Migration zu entkommen suchen.
Dahinter steht ein ungerechtes und verkommenes globales Wirtschafts- und Finanzsystem, das die alte Kluft zwischen Arm und Reich in den letzten Jahren drastisch hat wachsen lassen - weltweit, innerhalb Europas und innerhalb einzelner Gesellschaften. Während die ärmsten 80% der Weltbevölkerung nur über 5,5% des globalen Vermögens verfügen, besitzen die reichsten 1% fast 50% davon."For the past few decades, the economic elite, who have greatest political clout, have pushed for a framework that benefits them at the expense of the rest."(Joseph Stiglitz)
Mit der Deregulierung der Finanzmärkte und dem Siegeszug neoliberaler Wirtschaftspolitik in den 80er Jahren in den USA, Großbritannien und nach dem Mauerfall in ganz Europa und weltweit, treffen Krisen und Katastrophen nicht mehr nur Länder und Menschen des Südens sondern auch Europas zunehmend mit voller Wucht. Und das System ist außer Kontrolle geraten, droht die Welt in den Abgrund zu reißen. Wieviel mehr und größere Krisen brauchen wir noch, um radikal gegenzusteueren? Auch das nur ein Traum?

 

1%:Privilege in a Time of Global Inequality

Die internationale Fotografie-Ausstellung, kuratiert von Myles Little (Bildredakteur Time Magazin) widmet sich dem Thema "globale Ungleichheit"auf unkonventionelle Weise.
Die Wanderausstellung, die den ersten Teil des Browse Gallery Ausstellungsprojektes bildet, zeigt brilliante Farbbilder von Größen der Dokumentarfotografie wie Christopher Anderson, Simon Norfolk, Nina Berman, Daniel Shea und vielen anderen..., die uns in die Lebenswelten derjenigen schauen lassen, die sich den Blicken der Allgemeinheit sonst meist entziehen - ein traumhaftes Leben, zu dem wir alle solln streben? Texte zur Ausstellung steuern Joseph Stiglitz (Ökonom und Nobelpreisträger) und Geoff Dyer (Buchkritiker)bei.

Living in Recession

25 schwarz-weiss Fotografien von Nikos Pilos, - Elemente seiner größeren, gleichnamigen Fotodokumentation "Living in Recession"- zeigen in harten Kontrasten Auswirkungen der Wirtschaftskrise in Griechenland zwischen 2008 und 2014: Industriebrachen, Armut, umzäunte Flüchtlingscamps, Faschisten der Goldenen Morgenröte, Jugendproteste, verzweifelte Menschen. In den Bildern von Nikos Pilos, den wir bereits 2012 und 2013 auf dem Berlin Fotofestival THE BROWSE zu Gast hatten, ist nicht nur die Tragödie Griechenlands zu sehen, sondern auch die anderer verwüsteter Orte in Europa und die Drohkulisse einer alptraumhafte Zukunft für uns alle.

Griechenland und die EU-Schuldenkrise

In 25 Karikaturen von Klaus Stuttmann und Texten von Harald Schumann wird die Frage der Verantwortung gestellt und mit populären Krisen-Mythen aufgeräumt. Die beiden Tagesspiegel-Mitarbeiter, gehören zu den wenigen Publizisten, die nicht in den medialen Chor des regierungsnahen Griechenland-Bashing einstimmten. Nicht die "faulen, korrupten, unfähigen Griechen" tragen Schuld an der Krise. Dahinter stehen Dynamiken eines "liberalisierten" Wirtschafts- und Finanzsystems, von dem einige mächtige Konzerne und Personen profitieren, die über großen Bevölkerungsmehrheiten sowie das Allgemeinwohl aber grandios verlieren. Kein automatischer Mechanismus sondern das Ergebnis eines systematischen und korrupten Zusammenspiels wirtschaftlicher und politischer Eliten, jenseits demokratischer Entscheidungen und Kontrolle.
Schumann liefert in verständlichen Artikeln die Analysen und er benennt die Verantwortlichen - Institutionen und Personen - die Troika und andere.
Physisch in Erscheinung treten einige dieser Akteure in dem Dokumentarfilm "Macht ohne Kontrolle - die Troika" (Schumann und Bondy), der auch Teil des Ausstellungsprojektes ist.

Klaus Stuttmanns Karikaturen bringen dann die Absurdität und Farce des Krisen-Managements und das wahre Gesicht der Beschwörer/innen von Europa als "Wertegemeinschaft" zum Ausdruck. Und er bringt mit schwarzem Humor und spitzer Feder auf den Punkt, was sonst kein gesunder Wirtschafts- und Menschenverstand versteht. Tsipras musste in die totale Kapitulation getrieben, an offensichtlichen wirtschaftspolitischen "Fehlern" (Spardiktat etc.) musste festgehalten werden, um ein machtpolitisches K.O.-Signal hinaus zu posaunen: Widerstand gegen das neoliberale Regime ist zwecklos und wird bis zum Äußersten bestraft. Krisen, Staatsbankrott, humanitäre Katastrophen und Demokratieabbau inklusive. Und das alles nicht mehr nur in sog. Drittweltländern sondern auch in Europa: Griechenland, Portugal, Spanien, Irland, Frankreich und bald wohl auch im aktuellen Krisenprofiteur Deutschland.TTIP, CETA u.a."Freihandelsabkommen"werden dafür sorgen - es sei denn, wir verhindern das.

Ein paar von Wolfgang Krolows poetischen Fotografien aus Kreuzberg und West-Berlin vor dem Mauerfall mögen am Ende der Ausstellung Erinnerung, Nachdenken und Fragen inspirieren.

Links

1% Privilege in a Time of Global Inequality
Nikos Pilos: Living in recession
Klaus Stuttmann
Harald Schumann

Unser herzlicher Dank gilt Myles Little, Nikos Pilos, Klaus Stuttmann, Harald Schumann, für die Bereitschaft, dieses gemeinsame Ausstellungsprojekt mit uns zu realisieren, Wolfgang Krolow und Robert King für die Zugabe einzelner Fotografien, der Edition Salzgeber für die Bereitstellung des Dokumentarfilms "Macht ohne Kontrolle - die Troika" sowie der Marheineke Markthalle, dem Verein Initiative Theater Museum e.V., den Mitarbeiter/innen des Friedrichshain-Kreuzberg-Museum für die Bereitstellung von Räumen und Ausstellungs- und Veranstaltungstechnik, Klaus Wichmann sowie allen anderen, die bei der Realisierung geholfen haben.

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