Michael A. Russ

Tintones

Der in Berlin geborene Fotograf und Fotodesigner Michael Russ entwickelte als Autodidakt in den 70er und 80er Jahren in den USA mit seinen „TinTones“ avantgardistische fotografische Techniken und Positionen, die ihn für Protagonisten der Subkultur wie auch der kommerziellen Kulturindustrie interessant machten. Aus körnigen Schwarz-Weiß-Bildern, chemisch getönt, werden mit der Perfektionierung seines „TinTone“-Verfahrens handkolorierte, getönte Unikate von Silber-Gelatine-Abzügen, die zu seinem Markenzeichen werden. 1982 beauftragte ihn Tom Waits, das Album-Cover und das Video zu "Swordfishtrombones" zu gestalten. Seit 2007 produziert Russ seine „TinTones“ in einem Spezialverfahren auch auf großformatigen Alu-Dibond Industrial Platten, die eine besondere Bildwirkung erzielen.

"His approach to photography is with the eyes of a painter working with light." - Tom Waits

"Michaël RUSS pratique la sequénce avec un art éprouvé. Il s'agit d'un exercice de style qui nécessite imagination et rigueur technique" Photo Reporter France

Michael Russ wurde 1945 in einer Bombennacht in Berlin geboren. Mit 13 Jahren kam er in die USA und zog nach dreijähriger Militärzeit in Deutschland 1965 nach New York.
Heute pendelt der Kosmopolit beruflich. zwischen New York, Los Angeles, Paris, Berlin, Hamburg und München und ist auch in Kreuzberg zuhause.

Den Anfang nahm seine künstlerische Karriere, als er nach New York kam, um Schauspielunterricht zu nehmen und begann, seine Kolleg/innen zu fotografieren.

Er bewegt sich im Umfeld der Szene-Location Max's Kansas City, die damals von Andy Warhol u.a. einflussreichen Künstlern dieser Zeit frequentiert wird. Wilhelmina Cooper, Top-Model und Gründerin der Agentur Wilhelmina Models, ermuntert Russ zum Einstieg in die Mode-Fotografie. Bereits Ende der 60er Jahre fotografiert Russ für Magazine wie Esquire, GQ, Art Direction Magazin, Cosmopolitan und Playboy Press und arbeitet mit Models wie Candy Clark und Alexandra Pin zusammen, die auch Helmut Newton fotografierte.

Seine Arbeit findet v.a. nach seinem Umzug nach Paris 1976 international Anerkennung. U.a. publizierte Vogue Hommes eine Reihe von „erotischen Zimmergeschichten“ und titelte „Michael Russ und die Schönheit des Korns“. Russ nahm Anfang der 70er Jahre einen entscheidenden Entwicklungsschritt. Aus körnigen Schwarz-Weiß-Bildern, chemisch getönt, werden mit der Perfektionierung seines „TinTone“-Verfahrens handkolorierte, getönte Unikate von Silber-Gelatine-Abzügen, die zu seinem Markenzeichen werden. Seine Bilder werden u.a. in Mode International, Mode Avantgarde, GUNNARS Magazin, IL, Photo Reporter, PHOTO Magazine sowie dem Playboy veröffentlicht. In zahlreichen Ausstellungen und Medienveröffentlichungen wird seit den 80er Jahren seine kreative Arbeit gewürdigt. Eine der ersten Ausstellungen - eine Postkartenserie, (handkolorierte) Edition 'The Compagnie' - wurde 1980 im Musée des Arts Décoratifs (Louvre Annex) gezeigt. Die letzte Ausstellung der „TinTones“ auf Alu-Dibond fand 2012 im Art Place Seoul, Republik Korea statt.

Russ ist künstlerisch und kommerziell erfolgreich, obwohl und weil er im Gegensatz zum Mainstream der Modefotografie, die das perfekte Bild präsentieren will, bei aller Schönheit und Inszenierung nie glatt wird sondern „raw und edgy“ bleibt und lieber mit Andeutungen als mit Vollkommenheit spielt. Hier zeigt sich auch seine besondere Affinität zum Film. Die Fotos sollen nicht lediglich Abbild sein, sondern eine Geschichte erzählen können, als Fotosequenz oder als Einzelszene, die Bilder eines „Davor“ oder „Danach“ in der Phantasie des Betrachters zum Leben erweckt. Dazu arrangiert er seine Fotos ähnlich wie ein Regisseur das Set für eine Filmszene.

Russ engagierte sich auch professionell in mehreren Filmprojekten wie z.B. als Co-Direktor und Choreograph für das Musikvideo zum Song „In The Neighbourhood“, von Waits „Swordfishtrombones“ Album, in dem er mit dem Star-Kameramann Haskell Wexler (u.a. „Einer flog über das Kuckucksnest“ und „Who is afraid of Virginia Wolf?“) kooperierte. Auf Empfehlung seiner Partnerin Kathleen Brennan hatte Tom Waits sich 1982 die Russ-Ausstellung "Prussian Blue" im L.A. China Club angesehen und ihn danach beauftragt, das Album-Cover und das Video zu "Swordfishtrombones" zu gestalten. Es folgte eine intensive, mehr als einjährige Zusammenarbeit, in der Russ mit seiner innovativen visuellen Arbeit dazu beitrug, dass das Album als markanter Meilenstein der musikalischen Neuerfindung von Tom Waits wahrgenommen wurde.

Mit seinen analogen Kolorationsverfahren setzte er innovative, stilbildende Impulse für Tönungs- und Schichtungstechniken im modernen Fotodesign - lange vor dem Siegeszug von digitaler Fotografie, MTV, Photoshop.

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