Robert Wolfgang Schnell

Im Kaiserreich in Wuppertal geboren und aufgewachsen in der Weimarer Republik, 1944 aus der Reichswehr in Holland desertiert, kam Schnell nach 1947 nach Berlin. Er komponierte, schrieb seit seiner Jugend Gedichte, später Erzählungen und Kinderbücher. Er malte (Ölbilder u. Aquarelle) schuf Holzschnitte und Grafiken, inszenierte Theaterstücke, schrieb Drehbücher und arbeitete als Schauspieler.

Ein Individualist und Querkopf, stets auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten für persönlich erlebte und erlittene Geschichte(n) und nach einer geistigen Heimat für sein kritisches Denken, unbedingte Freiheitsliebe und unabhängiges künstlerisches Schaffen. Wahlverwandte fand er z.B. in Günter Bruno Fuchs und Günter Anlauf, mit denen er 1959 die Kreuzberger Galerie zinke gründete, oder bei den Berliner Malerpoeten – 14 malenden Schriftstellern und schreibenden Malern, die Aldona Gustas 1972 ins Leben gerufen hatte.

Robert Wolfgang

Schnell wurde 1916 im Kaiserreich in eine Wuppertaler Bankiersfamilie geboren. Aufgewachsen ist er in einer Zeit revolutionärer Kämpfe und kultureller Umbrüche in der Weimarer Republik, die ihn früh zu einem poltischen Menschen werden ließen. Im 2.Weltkrieg 1944 aus der Reichswehr in Holland desertiert, kam Schnell 1947 ans Deutsche Theater nach Berlin. Hier lebte er bis zu seinem Tod 1986.
Als junger Mann komponierte Robert Wolfgang Schnell und begann Gedichte zu schreiben, später Erzählungen, Romane und Kinderbücher. In 20 Jahren  veröffentlichte er mehr als 20 Bücher.
Er malte Ölbilder und Aquarelle,  schuf Holzschnitte und Grafiken. Außerdem inszenierte  er  Theaterstücke, schrieb Drehbücher und arbeitete als Schauspieler in Theater, Film und Fernsehen.  Als einer der profiliertesten Initiatoren  der ersten unabhängigen Künstlerbewegung Berlins in der Nachkriegszeit (Eberhard Roters, ehem. Leiter der Berlinischen Galerie) beeinflusste Schnell das
(sub-) kulturelle Leben West-Berlins und Kreuzbergs in den 50er bis 70er Jahren nachhaltig.

Prägend für seine eigene künstlerische Arbeit war in den ersten Jahren zunächst die Verbindung zu Malern und Schriftstellern des rheinischen Expressionismus, wie Else Lasker-Schüler oder Kurt Nantke u.a. Maler des Wupper-Kreises. Wahlverwandte in Berlin fand er in Günter Bruno Fuchs und dem Bildhauer Günter Anlauf, mit denen er  1959 die Kreuzberger Galerie zinke gründete.

Trotz seiner ungeheuren Produktivität als Maler und Schriftsteller, mit mehr als 1000 Bildern und dutzenden von literarischen Veröffentlichungen, konnte Schnell meist weder von den Einnahmen seines malerischen noch  seines  literarischen Schaffens leben. Das traf auch auf seine erfolgreichsten Veröffentlichungen zu: den meist besprochensten Erzählbänden Mief und Muzes Flöte, den Romanen Erziehung durch Dienstmädchen und Geisterbahn sowie den auflagenstärkeren Kinderbüchern Pulle und Pummi und Holger wohnt im Zoo. Bei seinem Tod waren die meisten Bücher bereits vergriffen.

Das Werk des Schriftstellers R. W. Schnell fügt sich ebenso wenig wie seine Ölbilder und Zeichnungen in irgendwelche Moden ein. Er sah sich damit in Gesellschaft vieler Künstler und Literaten im Umfeld der zinke. 15 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs befand sich Berlin im Kalten Krieg, der auch mit kulturellen Waffen ausgetragen wurde. Schnell und befreundete  Künstler bezogen in den späten 50er und frühen 60er Jahren eine Anti-Establishment-Position, die sich gegen die Formvorgaben des „sozialistischen Realismus“ stalinistischer Prägung  genauso zur Wehr setzte wie gegen den neuen, abstrakten Kunstgeschmack. Dafür wurden sie mit Nichtbeachtung  durch den Kunstbetrieb bestraft und als unmodern“ diskreditiert. Demgegenüber propagierten die Macher der zinke ihre Unabhängigkeit und eine vielfältige Kunst  ,,deren Erlebnis ins Phantastische, Realistische, Ironische, Traumhafte, in eine Welt gelebten Friedens führte, fern von äußerlicher Polemik". (Schnell)

Bis zum Bau der Mauer pulsierte die zinke als Treffpunkt für  Maler, Bildhauer, Schriftsteller, aus West-und Ost- Berlin und weit darüber hinaus. Viele Mitglieder der späteren Berliner Malerpoeten knüpften in dieser Zeit  erste Arbeitsbeziehungen und Freundschaften:  Günter Grass, Günter Bruno Fuchs, Artur Märchen, Friedrich Schröder-Sonnenstern, Kurt Mühlenhaupt und Robert Wolfgang Schnell; Aldona Gustas, Gründerin der Berliner Malerpoeten lud ihn 1972 als ersten ein, der vierzehnköpfigen Künstlergruppe beizutreten.

2016 Geisterbahn - 100 Jahre Robert Wolfgang Schnell (1916 - 1986), Browse Gallery, Berlin
Berliner Malerpoeten. Pulsierendes Leben – Pulsierender Tod, Rathaus Wiesbaden
2014 Berliner Malerpoeten. Pulsierendes Leben – Pulsierender Tod,  Browse Gallery, Berlin

AUSZEICHNUNGEN

1971 Verleihung des Eduard-Von-der-Heydt-Preis, Stadt Wuppertal
1981 Deutscher Literaturfonds e. V., Arbeitsstipendium
1984 Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft, Stadt Mühlheim

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