Friedrich Schröeder-Sonnenstern

Auf der letzten Biennale in Venedig 2013 international als wichtiger Vertreter der Art Brut präsentiert, ist der Maler und Zeichner Friedrich Schröder-Sonnenstern in Deutschland bis heute außerhalb von Fachkreisen wenig bekannt. Schröder-Sonnenstern zählte ab Anfang der 1970er Jahre zur Künstlergruppe der Berliner Malerpoeten.

Schröder-Sonnensterns Originalwerke sind komplexe Buntstiftzeichnungen auf Papier, die in nur 10 Jahren, zwischen 1949 bis 1958 in einem gewaltigen Schub entstanden - da war der Maler bereits über 50 Jahre alt. Seine Bilder zeigen bizarre, teils erotische, teils alptraumhafte Kombinationen aus Mensch und Tier. Sie sind lesbar als ein radikaler Angriff auf unsere entfremdete und entsinnlichte, von künstlichen Bedürfnissen und zwanghaftem Konsum bestimmte Lebensweise. „All seine erotisierten Dämonen und Mondgeistern sind kultur- und sozialkritisch gemeint, in ihren Ansätzen naiv, in ihrer Wirkung noch gar nicht abzusehen, eine Revolte gegen den „eindimensionalen Menschen“. (Galerie Brockstedt)

 

Friedrich Schröder-Sonnenstern (1892 Kaukehmen - 1982 Berlin), Zeichner und Maler, galt in den späten 50er und frühen 60er Jahren im Ausland – v.a. in Frankreich – als bedeutendster  deutsche Maler der Nachkriegszeit. Heute ist der Berliner Maler fast nur in Fachkreisen bekannt. 

In Ostpreußen geboren, schlug sich Schröder-Sonnenstern die ersten Jahrzehnte seines Lebens als Melker, Clown und Landstreicher, Sektengründer, Heilpraktiker u.a. durchs Leben. Er verbrachte diverse Jahre in Irrenanstalten, Gefängnissen. 1942 gelingt ihm die Flucht aus einem Arbeitslager nach Berlin. Hier überlebte er den 2. Weltkrieg.   Seine ersten Zeichnungen fertigte er 1933/34 in einer Irrenanstalt an. Er war über 50 Jahre als seine Malerkarriere 1949 ernsthaft startete.

Seine Bilder zeigen bizarre, teils erotische, teils alptraumhafte Kombinationen aus Mensch und Tier. Sie sind lesbar als ein radikaler Angriff auf unsere entfremdete und entsinnlichte, von künstlichen Bedürfnissen und zwanghaftem Konsum bestimmte Lebensweise. „All seine erotisierten Dämonen und Mondgeistern sind kultur- und sozialkritisch gemeint, in ihren Ansätzen naiv, in ihrer Wirkung noch gar nicht abzusehen, eine Revolte gegen den „eindimensionalen Menschen“. (Galerie Brockstedt)

Kometenhaft vollzog sich sein Aufstieg als international gefeierter Maler, als ihn die Surrealisten 1959 in einer Ausstellung in Paris präsentierten. Dubuffet, Max Ernst, George Pompidou und Picasso gehörten zu Sonnensterns ersten Käufern und lösten damit Anfang der 60er Jahre international bei Sammlern einen Nachfrage-Boom aus.

Da Schröder-Sonnenstern diesen nicht mehr allein bewältigen konnte, begann er Assistent/innen in seiner Werkstatt zu beschäftigen. Als manche von ihnen auf vorsignierten Kartons massenhaft auch Fälschungen im Stil Schröder-Sonnensterns produzierten, und dies bekannt wurde, ließen die Kunstkritik und der Markt Sonnenstern fallen. Bei seinem Tod 1982 war der "Kultstar" von einst verarmt und kaum mehr bekannt.

2021    Berliner Malerpoeten - kuratiert von Browse Gallery als Teil der Ausstellung Die Erfindung Kreuzbergs - Zeit der 
             Bohème in den 1960er und 1970er Jahren
, Studio 1, Kunstquartier Bethanien, Berlin
2019    Oxymora. Berliner Malerpoeten und litauische Textilkünstlerinnen, Browse Gallery, Leipziger
             Baumwollspinnerei
2014    Friedrich Schröder-Sonnenstern. Werkstatt-Arbeiten, Browse Gallery, Berlin
2014    Berliner Malerpoeten. Pulsierendes Leben - pulsierender Tod, Browse Gallery, Berlin
2013    Friedrich Schröder-Sonnenstern, Galerie Brockstedt, Berlin
2013    ART Brut, Biennale, Venedig (Gruppenschau)
2008    35 Jahre, Galerie Hell, München
1973     Retrospektive, Kestner-Gesellschaft Hannover,  (solo)
1973     Retrospektive, Haus am Waldsee, Berlin (solo)
1971     Galerie Bühler, Stuttgart
1970     Galerie d’Halluin, Dusseldorf
1968     Phantastische Kunst in Deutschland, Kunstverein Hannover, Hannover
1967     Retrospektive, Kunsthalle Düsseldorf, Dusseldorf, Germany (solo)
1966     Galerie Hartmann, München
1964     Aoki Gallery, Tokio, Japan
1964     Galerie Sydow, Frankfurt
1963     Galerie Brockstedt, Hamburg
1960     Bar Jack Bilbo, Berlin
1959     Art Brut, Galerie Les Mages, Vence, Frankreich
1959     Exposition Internationale du Surrealisme, Galerie Daniel Cordier, Paris
1952     Galerie Springer, Berlin

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