Friedrich Schröeder-Sonnenstern

Auf der letzten Biennale in Venedig 2013 international als wichtiger Vertreter der Art Brut präsentiert, ist der Maler Friedrich Schröder-Sonnenstern in Deutschland bis heute außerhalb von Fachkreisen wenig bekannt.Schröder-Sonnensterns zeichnerisches Werk, in nur 10 Jahren, zwischen 1949 bis 1958 in einem gewaltigen Schub entstanden, ist ein radikaler Angriff auf unsere entfremdete und entsinnlichte, von künstlichen Bedürfnissen und zwanghaftem Konsum bestimmte Lebensweise. „All seine erotisierten Dämonen und Mondgeistern sind kultur- und sozialkritisch gemeint, in ihren Ansätzen naiv, in ihrer Wirkung noch gar nicht abzusehen, eine Revolte gegen den „eindimensionalen Menschen“. (Ankündigung der Sonnenstern-Ausstellung Galerie Brockstedt, September 2013)

Friedrich Schröder war eines von 13 Kindern, von denen allerdings zwei unmittelbar nach der Geburt starben. Sein frühes Leben war gekennzeichnet von Aufenthalten in Erziehungs- und Irrenanstalten, letzteres wegen angeblichen Jugendirreseins (Dementia praecox), was schließlich zu seiner Entmündigung führte. Als er 1919 nach Berlin floh, beschäftigte er sich mit Okkultismus, Wahrsagerei und Heilmagnetismus. Er gründete eine Sekte und verteilte seine Einnahmen in Form von Brötchen (Schrippen) bevorzugt an Kinder, was ihm den Titel „Schrippenfürst von Schöneberg“ einbrachte.[1] 1933 wurde Sonnenstern - den Namen hatte er sich um 1928 zugelegt (Eliot Gnas von Sonnenstern) - in die Provinzial Irren- und Heilanstalt Neustadt in Schleswig-Holstein eingewiesen, wo er den Künstler Hans Ralfs kennenlernte, der ihn zum Zeichnen erster Bilder animierte. Nach der Entlassung folgte ein dreijähriger Gefängnisaufenthalt, anschließend der kurzzeitige Dienst im Luftwaffendepot und die Abschiebung ins Arbeitslager Himmelmoor bei Quickborn. 1942 gelang ihm die Flucht nach Berlin. Unter schwierigsten Umständen überlebte er die letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs und begann ab 1949 intensiv zu zeichnen.

Die Surrealismus-Exposition in Paris 1959 feierte ihn als den beeindruckendsten Künstler des 20. Jahrhunderts, international aufsehenerregende Ausstellungen folgten. Schröder-Sonnenstern zählte ab Anfang der 1970er Jahre zur Künstlergruppe der Berliner Malerpoeten. Er kam den Aufträgen nicht mehr nach, ließ von Gehilfen seine Bilder ausmalen und führte Details, Feinarbeiten und Korrekturen eigenhändig aus - bis die Gehilfen, teilweise angeregt und beauftragt von Galeristen und Händlern, auf vorsignierten Kartons Schröder-Sonnenstern-Motive kopierten, ausmalten, verkauften und ihn schließlich zum Opfer von Fälschercliquen degradierten. Als dies bekannt wurde, ließ ihn der Kunstmarkt konsequent fallen. Seriöse Galeristen und Sammler wendeten sich von ihm ab, er zog sich komplett zurück und starb, fast vergessen und verarmt, 1982 in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Zwölf-Apostel-Kirchhof in Berlin-Schöneberg.

Friedrich Schröder-Sonnenstern war Mitglied im Deutschen Künstlerbund.

2008   35 Jahre, Galerie Hell, Munich, Germany

1973     Retrospektive, Kestner-Gesellschaft Hannover, Hanover, Germany (solo)

1973     Retrospektive, Haus am Waldsee, Berlin (solo)

1971     Galerie Bühler, Stuttgart, Germany

1970     Galerie d’Halluin, Dusseldorf, Germany

1968     Phantastische Kunst in Deutschland, Kunstverein Hannover, Hanover, Germany

1967     Retrospektive, Kunsthalle Düsseldorf, Dusseldorf, Germany (solo)

1966     Galerie Hartmann, Munich, Germany

1964     Aoki Gallery, Tokio, Japan

1964     Galerie Sydow, Frankfort, Germany

1963     Galerie Brockstedt, Hamburg, Germany

1960     Bar Jack Bilbo, Berlin

1959     Art Brut, Galerie Les Mages, Vence, France

1959     Exposition Internationale du Surrealisme, Galerie Daniel Cordier, Paris

1952     Galerie Springer, Berlin

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